Filmgruppe des Alhambra (Oldenburg)

Mit der Schaffung des Aktionszentrums (AZ) Alhambra an der Hermannstrasse etablierte sich dort eine Gruppe von FilmliebhaberInnen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, anderes Kino zu machen. Hehre Ziele wurden formuliert: Filmreihen unter thematischen Schwerpunkten sollten gespielt, Sehgewohnheiten verändert, das Publikum zur aktiven Auseinandersetzung mit Thema und Film gebracht werden (siehe auch die verschiedenen schriftlichen Äußerungen der Filmgruppe und deren Mitglieder).Was man heute aus der Distanz als einkalkuliertes Scheitern belächeln mag, war damalsErgebnis von quälenden Prozessen. Irgendwann mußte man einsehen: Das Film- Publikum ist eine auf Konsum eingestellte Masse, der wenig an Auseinandersetzung mit dem Medium und schon gar nichts an Mitarbeit gelegen war. Immer wieder hat die Alhambra- Filmgruppe Appelle an das Publikum geschrieben, eine Umfrage gestartet; die Resonanz war niederschmetternd.
Hinzu kam, daß nur Eingeweihte etwas vom Programm mitbekamen. Die Programmzettel lagen an ausgewählten Orten, die Monopolzeitung "Nordwest-Zeitung" (NWZ) druckte aus Prinzip den Namen ALHAMBRA und alles, was unter diesem Dach passierte, nicht ab.
Ich bin erst 1982 mit dem Zeigen des "Internationalen Super- 8- Filmfestivals", das ich auf der Berlinale gesehen und dann nach Oldenburg ausgeliehen hatte, zur Filmgruppe gekommen und habe so die letzte Zeit dieser Gruppe miterlebt. Trotz aller motivationshemmenden Erfahrungen war die Gruppe mit großem Engagement bei der Sache, organisierte weiterhin lange Filmnächte, übernahm Thekendienst, um den Kontakt zum Publikum zu finden und zeigte auch bei Fremdveranstaltungen wie dem DADA- Weltkongreß Filme. Aber dann, 1983, war die Luft raus. Irgendwann war man es leid, in der Pause zum Rollenwechsel in der Dunkelheit auf der Suche nach dem Lichtschalter über verschmutzte schwarze Köter zu stolpern, mit Betrunkenen über den angeblich unrechtmäßig hohen Eintrittspreis (3,50 DM) zu diskutieren und mitansehen zu müssen, daß gute Filme kein Publikum fanden, während Filme über die Volkszählung, deren Informationsgehalt spielend von jeder Monitor- Sendung übertroffen wurde, das "kritische" Publikum in Massen anzogen und unsere Kasse mit einem Schlag sanierten.

Die Gruppe gibt es heute, 1999, tatsächlich noch. Man trifft sich in eher unregelmäßigen Abständen, um ab Mitte des Jahres die einzig unumstößliche Aktion zu planen:
Das Weihnachtsessen !

Bernd Poch